Das Schutzgebiet Stubaier Alpen und seine Tierwelt – Teil 1

Unsere Hütte steht im Ruhegebiet Stubaier Alpen. Dieses Schutzgebiet dient nicht nur uns Menschen als Erholungsraum, es ist vor allem auch Heimat vieler freilebender Tierarten, die den Alpenraum prägen und zu seiner Vielfalt beitragen.
Wir wollen euch hier einige der wichtigsten Arten vorstellen. Wer mit offenen Augen durch die Berge geht, wird einige von ihnen mit Sicherheit auch rund um unsere Hütte finden.

Der Alpensteinbock (Capra ibex) – starkes Symbol für die Alpen

Im 19. Jahrhundert war der zuvor in den Alpen weit verbreitete Steinbock fast vollständig ausgerottet. Begehrt war die Ziegenart nicht nur ihres Fleisches wegen. Die traditionelle Volksmedizin hatte es auf Hörner, Knochen und Bezoarkugeln (harte verfilzte Kugeln, die sich aus abgeleckten Haaren und Grasfasern im Magen bilden) ebenso abgesehen wie auf das Blut. Ab 1970 wurden in Gschnitz und im Pinnistal Wildtiere aus der Schweiz ausgesetzt. Zur Blutauffrischung wurden in letzter Zeit einige Tiere aus dem Alpenzoo Innsbruck hinzugefügt. Heute gibt es in den Schutzgebieten der Stubaier Alpen vier Kolonien mit insgesamt ca. 300 Tieren. Die größten Kolonien leben an der Grenze zu Südtirol zwischen Pflersch und Gschnitz sowie um die Nürnberger und Bremer Hütte. Hier finden die Steinböcke verhältnismäßig schneeärmere Winterlebensräume vor. Zwei kleine Kolonien existieren im Bereich des Habichts und zwischen der Franz-Senn Hütte und dem Sellrain. Der Bestand gilt heute als gesichert.

Steinbock, Copyright O. Leiner I Neue Regensburger Hütte

Die Gämse (Rupicapra rupicapra) – flinke Artistin in steilem Gelände

Im Sommer erklimmen die wendigen Kletterer Höhen von über 2.500 Metern. Dort halten sie sich vor allem in Geröll- und Latschenfeldern auf. Die für die Böcke anstrengende Brunftphase steht am Beginn des Winters. Die rivalisierenden Männchen liefern sich dann oft abenteuerliche Verfolgungsjagden über eisige Hänge. Nicht selten enden die aggressiv geführten Kämpfe mit dem Tod eines Tieres. Um die kräftezehrenden Kämpfe zu umgehen, verfügen die Tiere über ein breites Repertoire von Lauten und Drohgebärden. Um optisch größer zu erscheinen werden oft die längeren Haare entlang des Rückgrates aufgestellt. Die dunkeln, hellspitzigen Haare dieser Rückenpartie (Aalstrich) finden sich im berühmten „Gamsbart“ wieder. Im gesamten Stubaital kommen beispielsweise an die 1.400 Gämsen vor. Die Art ist in den Alpen noch häufig, wird jedoch durch den Klimawandel und zunehmende Störungen im Lebensraum zurückgedrängt. Die Schutzgebietsbetreuung gibt deshalb im Rahmen von Lenkungsprogrammen Informationen über die Situation dieser Wildtierart an verschiedene Bergsportler weiter.

Gämsen, Copyright M. Schinner I Neue Regensburger Hütte

Der Steinadler (Aquila chrysaetos) – stolzes Wappentier von Tirol

Sein lauter rauer Schrei lässt nach oben blicken. Am Himmel kreist der Steinadler mit weit gespreizten Schwingen oft stundenlang im Aufwind. Die Flügelspannweite des Greifvogels umfasst mehr als zwei Meter. Seine Beute erspäht er mit messerscharfem Blick bereits aus großer Höhe. Gamskitze, Murmeltiere, Schneehasen oder Schneehühner bilden seine Hauptnahrung. In seinem durchschnittlich 50 Quadratkilometer großen Revier, das er vehement gegen Eindringlinge verteidigt, braucht er verhältnismäßig große Mengen an Wild und ausreichend Rückzugsräume. Adlerpärchen bleiben ihr ganzes Leben lang zusammen. Das Weibchen legt gegen Ende März bzw. Anfang April ein bis zwei Eier in den meist in Felswänden verankertem Horst. Nach etwa 45 Tagen schlüpfen die Jungen und starten nach 80 Tagen ihre ersten Flugversuche. Nur etwa ein Drittel der Jungtiere erreicht das fortpflanzungsfähige Alter. So reguliert sich der Bestand von selbst. Nachdem die Art zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Österreich vom Aussterben bedroht war, leben in den Alpen derzeit wieder etwa 1.300 Adlerpaare. Auch in den Schutzgebieten ist die Art mit einigen Brutpaaren gut vertreten.

Steinadler, Copyright O. Leiner I Neue Regensburger Hütte

Das Alpen-Murmeltier (Marmota marmota) – Präriehund der Berge

Bevor der Wanderer es sieht, hört er meistens seinen scharfen Pfiff. Damit wird auf ihn selbst aufmerksam gemacht. Das scharfsichtige, mit gutem Gehör ausgestattete Murmeltier warnt die zahlreichen Mitglieder seiner Kolonie vor einem potentiellen Feind. Ein Pfiff bedeutet: „Höchste Gefahr – Feind in unmittelbarer Nähe“. Eine Reihe von Pfiffen heißt: „Vorsicht – Feind nähert sich“. Hauptfeind ist der Steinadler, die während der so genannten Nestlingszeit hauptsächlich Murmeltiere jagt. Der größte Feind aber ist der Winter, der die Tiere während des bis zu sechs Monate dauernden Winterschlafs oft empfindlich dezimiert. Bei kleinen Populationen kann auch unsachgemäße Jagd den Bestand der Tiere gefährden.

Alpen-Murmeltiere hatten während der letzten Eiszeit ihre größte Verbreitung. Sie zogen mit dem zurückweichenden Eis in die Alpen und kommen hier bis über 3.000 Metern Höhe vor. Heiße Sommertage verbringen die kälteangepassten Tiere am liebsten in ihren geräumigen Höhlensystemen, deren Temperatur nicht über 13 Grad Celsius steigt.

Murmeltiere sind streng territorial. Das ranghöchste Männchen verteidigt sein Revier vehement gegen jeden erwachsenen Eindringling. Das Gebiet wird durch ein stark riechendes Sekret aus den Wangendrüsen markiert. Innerhalb der hochsozial lebenden Gruppe wird mit den Nasen gestupst, beschnuppert und unter den Jungen ausgiebig gespielt.

In den Schutzgebieten der Stubaier Alpen ist der Bestand der Murmeltiere stabil.

Murmeltier, Copyright O. Leiner I Neue Regensburger Hütte

Der Schneehase (Lepus timidus varronis) – Pelzwechsel inklusive

Um sich vor seinen Feinden zu schützen umgibt sich der Schneehase im Winter mit einem fast ganz weißen Gewand. Nur seine Ohrspitzen bleiben dunkel. Ab Mitte März färbt sich das Haarkleid wieder unauffällig dunkelgraubraun. Gefahr droht den Langohren vor allem von oben: Beutegreifer wie Adler, Uhu, Habicht und Kolkraben haben es auf die Hasen abgesehen. Gelegentlich lauert ihnen auch der Fuchs und, wo vorhanden, der Luchs auf. In Höhen zwischen 1.300 Metern bis 2.700 Metern und darüber fristet er sein verstecktes Dasein. Im Winter wandert er in tiefere Lagen. Meist verlässt er in den Dämmerungsstunden seine Deckung, um zu fressen. Als Hochgebirgsbewohner zeigt er einige geniale Anpassungen an die rauen Verhältnisse: Seine weit spreizbaren Hinterläufe sind mit langen steifen Borstenhaaren bewachsen und funktionieren somit wie richtige Schneeschuhe. Bei den Haaren des Winterfells sind die fehlenden Farbstoffe durch Luft ersetzt und dienen als optimaler Kälteschutz. Seine feinen, dichten Wollhaare bieten zusätzliche Isolation. Der Schneehase ist überall in den Alpen verbreitet, kommt aber nirgends besonders häufig vor.

Scheehase, Copyright F. Lassacher I Neue Regensburger Hütte

Bildmaterial & Copyright

Steinbock: O. Leiner
Gämse: M. Schinner
Adler: O. Leiner
Alpensalamander: O. Leiner
Schneehase: F. Lassacher
Murmeltier: O. Leiner
Kreuzotter: K. Herzer
Tannenhäher: F. Wierer
Bergmolch: H. Frei