Das Schutzgebiet Stubaier Alpen und seine Tierwelt – Teil 2

Unsere Hütte steht im Ruhegebiet Stubaier Alpen. Dieses Schutzgebiet dient nicht nur uns Menschen als Erholungsraum, es ist vor allem auch Heimat vieler freilebender Tierarten, die den Alpenraum prägen und zu seiner Vielfalt beitragen.
Wir wollen euch hier einige der wichtigsten Arten vorstellen. Wer mit offenen Augen durch die Berge geht, wird einige von ihnen mit Sicherheit auch rund um unsere Hütte finden.

Der Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) – wichtiger Zirbengärtner

Auf dem Weg zur Regensburger Hütte, wo viele Zirben wachsen, hört man häufig das „Ratschen“ des Zirbengratsch, wie der Tannenhäher im Volksmund auch genannt wird. Zirbe und Häher sind im Laufe der Evolution eine Gemeinschaft eingegangen, die den Fortbestand beider Arten sichert. Die Samen der Zirben sind sehr groß und die massiven Zapfen nicht leicht zu öffnen. An eine Verbreitung durch den Wind ist also nicht zu denken. Der Tannenhäher aber kann mit seinem kräftigen, spitzen Schnabel die schmackhaften Nüsschen aus ihrem Gehäuse heraushacken. Sie bilden, obwohl er sich auch von allen anderen Nadelbaumsamen ernährt, seine absolute Lieblingsspeise, und er hamstert sie regelrecht. 70 bis 100 Zirbennüsschen haben in seinem Kehlsack Platz. Als Wintervorrat versteckt er die nährreichen Samen an vielen verschiedenen Stellen, an die er sich, auch unter metertiefem Schnee verborgen, meistens wieder erinnern kann. Die Distanz zwischen den Verstecken eines Vogels können dabei über 10 Kilometer betragen. Trotzdem vergessene Samen keimen aus. Meistens finden sich mehrere kleine Zirben nebeneinander, von denen sich die kräftigste durchsetzt.

Im Flug kann man den Tannenhäher, neben seinem krächzenden Ruf, gut an den breiten weißen Endbinden der Schwanzfedern erkennen. Die Vögel können bis zu 15 Jahren alt werden. Ihr Nest legen sie einmal im Jahr hoch in Nadelbäumen an.

Tannenhäher, Copyright F. Wierer I Neue Regensburger Hütte

Die Kreuzotter (Vipera berus) – gefährliche Schönheit mit Kreuzmuster

Die am weitesten verbreitete Giftschlange Europas findet sich auch bei uns. Der Biss der Kreuzotter ist giftig, verursacht starke Schmerzen, ist aber kaum tödlich. Der Betroffene sollte sich ruhig verhalten und auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen. In der Regel flüchten sie bei Gefahr, doch in die Enge getrieben, schnellen sie meist blitzschnell nach vorne und beißen zu. Die exakte Beschreibung dieser Art ist fast unmöglich, da es zahlreiche Farb- und Mustervarianten gibt. Charakteristisch wäre eine hellere Grundfarbe und am Rücken verlaufend ein dunkles Zickzackband, sowie eine X- oder V- Zeichnung auf dem Hinterkopf. Im Gebirge, wo sie bis auf 3.000 Meter lebt, trifft man jedoch nicht selten einheitlich dunkle bis schwarze Exemplare an.

Besonders aktiv ist die Kreuzotter an schwülen Tagen und nach längeren Regenperioden. Sie bewohnt Bergwiesen nahe der Baumgrenze, bewachsene Geröllfelder und Heideflächen. Die gute Schwimmerin kommt auch in Gewässernähe vor. In den Alpen gelten die Kreuzotter-Populationen noch als stabil. Dennoch bedeutet jede Trockenlegung und Erweiterung von Skipisten eine mögliche Gefährdung.

Kreuzotter, Copyright K. Herzer I Neue Regensburger Hütte

Der Alpensalamander (Salamandra atra) – kleiner Lurch mit erstaunlicher Anpassung an das Leben am Berg

Der schwarzglänzende Salamander schlängelt sich wie ein kleiner Drache durchs feuchte Gras. Das in Höhen zwischen 600 und 2.500 Metern vorkommende Tier schützt sich durch seine dunkle Färbung gegen die starke Sonneneinstrahlung im Hochgebirge und speichert zusätzlich Wärme. Nasses Wetter liebt das Amphib besonders und hält sich gerne in der Nähe von Gewässern auf. Im Gegensatz zu allen anderen Schwanzlurchen, die ihre Eier ins Wasser legen, bringt der Alpensalamander allerdings unabhängig von Gewässern lebende Junge zur Welt. Im Alter von drei bis vier Jahren wird er geschlechtsreif. Die gesamte Entwicklung der Jungen erfolgt in der Gebärmutter. Erst nach einer Tragzeit von zwei bis fünf Jahren – je nach Höhenlage – verlassen sie voll entwickelt den Mutterleib. Die Tiere können ein Alter von 15 Jahren erreichen. Im Winter suchen sie vermutlich tief unter der Erde gelegene Verstecke auf.

Gegen Berührung ist der schwarze Lurch extrem empfindlich. Aus den großen, hinter den Augen gelegenen Ohrdrüsen sondert er dann ein weißliches Sekret aus, das giftige Alkaloide enthält und nicht auf die Schleimhäute gebracht werden sollte. In Tirol gilt die Art, wie viele andere Amphibien auch, als potentiell gefährdet.

Alpensalamander, Copyright O. Leiner I Neue Regensburger Hütte

Der Bergmolch (Triturus alpestris) – farbenprächtiger Hochzeitsflirter

Im späten Frühling bis in den Frühsommer hinein sammeln sich in kleinen Tümpeln und flachen Wassermulden zahlreiche kleine „Drachen“. So auch in den kleinen Gewässern rund um die Regensburger Hütte An Land macht das Männchen des Bergmolchs nicht viel her. Es ist unscheinbar dunkel gefärbt. Im Wasser hingegen ist es im Hochzeitsornat besonders prächtig gefärbt. Stahlblau glänzt sein Rücken, hellorange leuchtet seine Bauchseite. Die größeren Weibchen sind dagegen tarnfarbig. Nachdem das Weibchen das Samenpacket des Männchens aufgenommen hat, werden die befruchteten Eier einzeln an den Untergrund geheftet und oft auch mit Pflanzenteilen umwickelt. Die Kaulquappen der Bergmolche haben, auch wenn sie schon weiterentwickelt sind, äußere Kiemenbüschel. Dadurch lassen sie sich von den Froschlarven unterscheiden. Obwohl diese Amphibien wechselwarm sind und ihre Körpertemperatur von der Umgebungswärme abhängig ist, kommen sie bis 3.000 Meter Höhe vor. Ihre Fortpflanzungsperiode im Hochgebirge ist nur kurz, deshalb müssen sie ihre Wanderungen zum Laichgewässer möglichst früh beginnen und wandern notfalls auch über Schnee. In den hohen Lagen werden sie erst im Alter von 10 Jahren geschlechtsreif. Dafür können sie aber auch bis zu 20 Jahre alt werden. Im Herbst beginnen die kleinen Tiere mit der Winterruhe, die je nach Höhe bis zu acht Monate dauern kann. Die Hauptgefährdung ihres Lebensraumes besteht in der Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Bergmolch, Copyright H. Frei I Neue Regensburger Hütte

Bildmaterial & Copyright

Steinbock: O. Leiner
Gämse: M. Schinner
Adler: O. Leiner
Alpensalamander: O. Leiner
Schneehase: F. Lassacher
Murmeltier: O. Leiner
Kreuzotter: K. Herzer
Tannenhäher: F. Wierer
Bergmolch: H. Frei

Wunder der Natur

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