Ein ganz normaler Tag auf der Hütte

„Was machst du den ganzen Tag da oben?“, werde ich oft gefragt. Hier ein Überblick, wie unser Tag auf der Hütte so abläuft. Von Martina Ofer.

Um 04.50 Uhr klingelt …

bei mir (Martina) der Wecker. Da stehe ich auf, starte die Seilbahn da der Bäcker das frische Brot geladen hat und bereite im Anschluss das Frühstücksbuffet vor. Kaffee und Marschtee muss heiß gemacht, das Buffet aufgebaut werden. Bis diese Arbeit erledigt ist, kommt auch schon die Seilbahn mit dem Frühstücksbrot ums Eck.

Nun ist es ca. 05.30 Uhr. Außer mir, unserem Schäfer und der Katze ist noch niemand da. Die Gäste fangen langsam an munter zu werden, man hört erste Geräusche in der Hütte. Und wir stehe an der Haustür und nehmen uns 5 Minuten Zeit, den Sonnenaufgang zu beobachten.

Aber schon geht es weiter. Der Schäfer ist unterwegs zu seinen Schafen. Die Katze sitzt noch gemütlich beim Frühstück.

Bis die ersten Gäste um 6 Uhr zum Frühstück kommen, Fülle ich die Biskuite- oder Rührteigböden mit verschiedenen Cremen, den Strudelteig mit der Apfelmasse oder backe noch schnell einen Zwetschgenfleck. Jeden zweiten Tag backe ich in der Früh frisches Bauernbrot, welches unterm Tag zu unseren Suppen und Brotzeiten serviert wird.

So geschafft, alles im Ofen. Pünktlich um 6 Uhr, den jetzt kommen die ersten Gäste zum Frühstück. Ein „gewusel“ und „gemurmel“ geht los. Alle haben die Augen noch nicht ganz geöffnet. Aber nach einer ordentlichen Stärkung werden auch die müdesten Wanderer wieder munter. Einige brauchen noch Informationen zum Wetter oder zur heutigen Etappe am Stubaier Höhenweg. Um halb 8 ist das Frühstück zu ende, und die Meisten sind schon unterwegs zur Dresdner Hütte.

Um 7 Uhr kommt meine erste Unterstützung in der Küche. Und auch Herbert ist schon da. Dieser hat schon die Kläranlage gecheckt und einen Störungsfehler behoben.

Von 100 Gästen müssen Teller, Schalen, Gläser und Besteck abgespült werden, das Buffet abgeräumt und die Stuben geputzt. Auch der Trockenraum, die Tagestoiletten und der Eingangsbereich werden gleich mit sauber gemacht. Es ist ein bisschen Eile geboten den mit einem kurzen Blick ins Tal sehen wir, dass die ersten Wanderer schon an der Falbesoner Ochsenalm ums Eck kommen!

Jeden zweiten Tag wird Brot gebacken.
Alles frisch und regional.
Frühstück ab sechs Uhr.
Heli - bei Unfällen im Einsatz.
Die Kinder helfen fleißig mit.
Kurze Pause.

Um ca. 9 Uhr ist alles wieder blitze-blank. Nur noch die Hühner und Hasen aus dem Stall rauslassen und dann kann ich mich kurz mit meiner Familie zum Frühstück setzten. Diese Zeit ist uns sehr wichtig.

Herbert ist aber schon ein bisschen in Eile den im Tal haben die ersten Lieferanten Lebensmittel angeliefert und wir müssen die verderblichen Sachen schnell hochbringen und verräumen. Alle helfen mit!

Die Kinder sind unterwegs um unsere Hühner und Hasen zu füttern, die Katze hat schon die erste Maus gefangen.

Für mich geht es auch weiter. Ich verschaffe mir einen Überblick, wer heute aller ankommt. Gebe den Zimmermädchen Anweisungen wer ab reist und wer noch bleibt.

Die Zimmermädchen sind unterwegs, der Koch kommt auch schon daher und mit diesem ist täglich eine Besprechung angesagt. Was steht an, wie viele Gäste kommen, welches Menü gibt es am Abend, kommen Gäste mit besonderen Problemen (Allergien), welche Lebensmittel müssen neu bestellt werden, usw…

Während in der Küche langsam die Töpfe zum Dampfen beginnen, kommen auch schon die ersten Gäste vom Tal ums Eck. Heute ist schönes Wetter und es fängt langsam an voll zu werden. Auch das Serviceteam ist nun komplett und wir haben ordentlich zu tun.

Ich möchte noch schnell Mittag essen, denn es kommen schon die ersten Gäste von der Franz Senn Hütte an. Aber aus dem wird nichts. Ein Wanderer hat sich irgendwo zwischen Hütte und Vorderer Plattenspitze verletzt. Herbert muss zum Einsatz „ausrücken“ und sich einen Überblick verschaffen, was wirklich passiert ist. Also Essen wieder weg und weiter zum Check in, die Zimmer verteilen und allgemeine Informationen an die Gäste vermitteln. Der Service hat ordentlich zu tun. Es „wuselt“ wie wir in Neustift sagen. Also schnell den Mädels unter die Arme greifen.

Herbert meldet sich über Funk, dass der verletzte Wanderer ein Bein gebrochen hat und ich einen Hubschrauber organisieren muss. Hubschrauber bestellt, Gäste auf der Terrasse angewiesen, sitzen zu bleiben und die Tischdecken fest zu halten. Schnell zum Landeplatz laufen und den Hubschrauber einweisen, was im Dirndl gar nicht so einfach ist! Während die Rettungsaktion läuft, läuft der Betrieb weiter.

Wo sind die Kinder? Haben die heute keinen Hunger? Ach ja, wo sind die denn? Christian unser Koch sieht Florian am See. Er ist klatschnass, da er Stuntman werden möchte und einen Salto aus dem Boot gemacht hat. Egal. Es ist ein warmer Sommertag! Und wo ist Markus? Der ist mit dem Schäfer unterwegs um ein verletztes Schaf zu versorgen.

Und da ist „Muina“, die Katze. Ihr werden die Leute zu viel. Sie jammert und will in unseren privaten Bereich. Na ja, täglich eine Maus fangen ist schon sehr brav.

Es geht auf 17 Uhr zu, fast alle Gäste sind angekommen, ein paar fehlen noch. Ich übermittle dem Koch die Liste für das Abendessen und mache die Tischeinteilung. Auf der Terrasse wird es frisch und die ersten Gäste kommen in die Gaststuben.

Auch Herbert ist wieder retour. Der verletzte Wanderer ist abtransportiert worden aber Herbert musste die restliche Gruppe, welche natürlich sehr aufgeregt ist, zur Hütte begleiten.

Um 18 Uhr geht das große Abendgewusel los. Die Buben sind wieder da, umgezogen und helfen in der Schank mit, die Getränke vorzubereiten. In den kommenden 1 ½ h Stunden werden oft über 100 hungrige Gäste versorgt. Das letzte Dessert ist grad raus und die ersten Gäste wollen schon bezahlen und ins Bett. Einmal an der Kasse, kommt man nicht mehr weg. Herbert löst mich zwischendurch ab, damit ich zu Abend esse mit den Kindern. Das Mittagessen habe ich heute wieder einmal kläglich ausfallen lassen.

Langsam leeren sich die Gaststuben. Die Küchencrew hat schon geputzt und dicht gemacht. In den Gaststuben wird wieder sauber gemacht und schon für das Frühstück aufgedeckt. Herbert ist noch fleißig beim Abrechnen und ich muss noch schnell 4-6 Böden für die Kuchen am nächsten Tag backen. Es ist 22.30 Uhr. Ich verdrücke mich in unseren privaten Bereich und muss noch ein bisschen Buchhaltung machen und einige Rechnungen schreiben. Auch die Bestellungen der Lebensmittel müssen noch raus und ein kurzer Blick, was uns am nächsten Tag erwartet muss auch noch sein. So, noch schnell unter die Dusche den in knapp 5 Stunden klingelt der Wecker wieder.

Ja es ist schon verrückt! Wir haben 18-19 Stunden-Tage. Aber wir lieben unsere Arbeit! Und nur wenn man für diesen doch oft harten Job viel Leidenschaft mitbringt, ist so ein Sommer auch zu schaffen.

Mittagessen vorbereiten.
Für den Abend eindecken.
Zwischendrin backen.
Reparieren, transportieren...
... es gibt immer viel zu tun.
Vielen Dank, liebe Familie Ofer!