Lieber kalt als Kater

Im Interview: Peter Künzel, Regisseur des Films „Von Höhen und Tiefen – 150 Jahre DAV”. Viele Szenen des wunderbaren Jubläumsfilms wurden auf der Neuen Regensburger Hütte gedreht. Dazu wollten wir mehr wissen…

Herr Künzel, vielen Dank erst mal für den großartigen Film! Wie kam es dazu, dass die Sektion Regensburg eine Hauptrolle spielt?

Der Kontakt kam über Franz Schon und meinen Bergauf Bergab Kollegen Michael Düchs zustande, der für einen Film 2016 auf der Neuen Regensburger Hütte gedreht hat. So habe ich erfahren, dass die Hütte umgebaut und erweitert wird und 2018 Baubeginn ist. Das traf sich insofern gut, weil ich für den BR Film zum 150-jährigen Jubiläum des Deutschen Alpenvereins unter anderem auch daran erinnern wollte, dass der DAV lange Zeit in erster Linie ein Hüttenbauverein war.

Als ich anschließend die Chronik der Regensburger Sektion zum 100. Geburtstag gelesen habe, ist mir klar geworden, dass die Sektion Regensburg noch viel mehr mitbringt, was ich in den Film einbringen wollte. Die Historie der Alten Regensburger Hütte im Grödnertal, die Enteignung nach dem 1. Weltkrieg, das Thema Nationalsozialismus im DAV, der Bau der Neuen Regensburger Hütte, jetzt der moderne Anbau und schließlich das Kletterzentrum – am Beispiel Regensburgs lässt sich die Entwicklung des Alpenvereins gut erzählen. Das wurde mir schnell klar. Zudem ist die Sektion Regensburg einer der ersten 25 Sektionen überhaupt und wurde bereits ein Jahr nach dem Hauptverein gegründet.

Wie haben Sie die Protagonisten ausgewählt?

Für mich war der Alpenverein immer das, was sich in den Sektionen abspielt. Und deshalb wollte ich die Geschichte unbedingt auf der menschlichen Ebene der engagierten Mitglieder erzählen. Die Protagonisten sollten außerdem das ganze Spektrum eines Vereins abbilden: Jung und alt, die in den und für die Hütten, auf Touren, im Klettersport, aber auch auf der Funktionärsebene „darüber“ für den Alpenverein leben. Mit Kathi und Max haben wir zwei tolle junge engagierte Leute gefunden, Reinhard als Vorsitzender der rasant gewachsenen Sektion, Toni, der aktive Bergsteiger und ehemalige Vorsitzende, Franz, der sich so für die Neue Regensburger Hütte einsetzt … Ich bin mir sicher, da hätte es noch viel mehr gegeben. In jedem Fall war ich mehr als froh, dass ich den Film mit diesen Leuten machen durfte.

Wie viel Zeit haben Sie insgesamt in den Film investiert und wie viele waren daran beteiligt?

Von der Idee zum fertigen Film hat es rund ein halbes Jahr gedauert. Konkret waren es ungefähr acht Tage für Recherche, Konzept und Drehbuch, zehn Drehtage, die alle in unzähligen Telefonaten geplant und vorbereitet werden mussten, die Sichtung des Materials ca eine Woche, Recherche des Archivmaterials ebenfalls mehrere Tage, 13 Schnitttage, und ca drei Tage Arbeit am Text und zwei Tage für die Vertonung und Mischung.

Vor der Kamera waren ja unsere neun Protagonisten zu sehen: Kathi und Max, Gisela und Toni, Franz und Reinhard, Alexander Huber, Michael Pause und Lotte Pichler. Im Hintergrund agierten mehrere Kollegen der isar film Produktion GmbH, die „Von Höhen und Tiefen – 150 Jahre DAV“ für den BR gemacht hat, allen voran mein Kameramann Robin Worms, und der Tonmeister Christian Behrens, der Cutter und Produzent Simon Janik, ein Redakteur seitens des BR Fernsehens, der das Ganze begleitet hat und natürlich die wunderbare Sprecherin Brigitte Hobmeier. Insgesamt waren gut 25 Leute am Film beteiligt.

Was waren die besonderen Herausforderungen bei diesem Dreh? Gab es Überraschungen?

Der finale Drehtag war eine Herausforderung. Der Toni hatte sich in den Finger geschnitten und sein Arzt hatte es ihm eigentlich verboten, sich anzustrengen. Wir hatten versucht einen Hubschrauber zu organisieren, aufgrund des dichten Nebels an dem Tag durfte der aber nicht fliegen. Am Ende hat sich der Toni dankenswerterweise ganz vorsichtig von seiner Frau begleitet im Schneckentempo den Berg hinaufgeschlichen. Wir waren alle um sechs Uhr schon auf den Beinen, doch der Nebel wollte einfach nicht verschwinden. Lohnt es sich? Können wir noch warten? Um halb eins kam endlich die Sonne langsam durch – und ja, es hat sich gelohnt. Die Stimmung am Berg, wenn der Nebel sich lichtet, ist einfach wunderschön. Natürlich hat sich alles nach hinten verschoben. Und als wir fertig waren, war es dunkel. Die Kollegen mussten sogar die Kameralampen einschalten um beim Abstieg zur Ochsenalm genug zu sehen.

Der erste Drehtag beziehungsweise die Nacht dazu war ebenfalls denkwürdig. Das Lager war recht voll und so beschloss ich, mich in den Gang zu legen. Grade als ich eingeschlafen war, lief der Hüttenkater nicht einmal, sondern im Laufe der frühen Nacht gleich dreimal über mich drüber. Also beschloss ich, mich auf die Bank vor der Hütte zu legen – da war es zwar kalt, aber katerfrei. Und eine Nacht in den Bergen unter freiem Himmel ist immer was ganz Besonderes.

Aufbau des Film-Equipments auf über 2.000 m.
Aufbau des Film-Equipments auf über 2.000 m.
Regisseur Peter Künzel bei der Arbeit. Toni Putz wird gerade interviewt.
Regisseur Peter Künzel bei der Arbeit. Toni Putz wird gerade interviewt.

Einige Szenen spielen auf der Neuen Regensburger Hütte: Was ist für Sie das Besondere an der Neuen Regensburger Hütte?

Ich muss sagen, ich habe mich spontan in den Ort verliebt: die große Ruhe, die über dem Hohen Moos liegt, der Wasserfall, der über die Kante rauscht und von der Ochsenalm aus zu sehen ist, die urige alte Hütte. Und dann das spannende Neue: ein klarer, kantiger Körper, der nicht im Widerspruch zu, sondern im Einklang mit der Natur und dem alten Hüttenbau auf dem Gletscherschliff thront. Ich hatte ja inzwischen schon das Glück im Anbau zu übernachten und es ist wirklich sehr gelungen. Der Blick aus dem Waschraum einzigartig. Und wie in den Stuben da alt und neu ineinander übergehen, ist einfach cool gemacht.

Sind Sie selbst Mitglied im DAV?

Sogar in zwei Sektionen, München-Oberland und Grafing-Ebersberg. Dem langjährigen Vorsitzenden der Sektion Grafing-Ebersberg, dem Weilheimer Toni, habe ich persönlich viel zu verdanken. Ich habe beim ihm das praktische Bergsteigen und das Skitourengehen gelernt. Beides brauche ich heute auch für meinen Beruf.

Wenn ich in der Nähe wohnen würde, wäre ich natürlich auch Mitglied der Sektion Regensburg. Vielleicht würde ich einen Boulderkurs beim Max Brauneis belegen, oder mit dem Franz Schon auf eine Skitour gehen. Ich habe gehört, der Franz kann hervorragend Skifahren.

150 Jahre – welche Rolle hat der DAV für Sie heute?

Ich möchte mich da dem Alexander Huber anschließen. Der DAV ist trotz seiner grandiosen Entwicklung hin zu einem Verein mit über 1,2 Millionen Mitgliedern, trotz des Booms des Kletterns, das 2020 zum ersten Mal bei Olympia dabei sein wird, immer noch ein Verein, der für seine Mitglieder lebt und ihnen das Wesentliche des Bergsports näher bringt: dass man draußen in der Natur Ruhe und Ausgleich finden kann. Das ist wichtiger und wesentlicher als es je war.
Interview: Monika Trojer
Fotos: Franz Schon

Hier: Film ansehen.

In der BR-Mediathek

Den Film kann man noch bis März nächsten Jahres in der Mediathek anschauen!