Wie kommt das Bier auf die Hütte?

Materialtransport Neue Regensburgerhuette, DAV Sektion Regensburg
Am Stubaier Höhenweg unterwegs zu sein, bedeutet weg zu sein vom Lärm des Tales mit seinem Straßenverkehr und einzutauchen in eine intakte, ruhige Gebirgswelt, die man sich aus eigener Kraft zu Fuß erschließt. Spätestens am Nachmittag freut man sich dann aber schon auf das Bier in der Hütte und auf ein anständiges Abendessen. Aber wie kommt das Bier vom Tal auf den Berg?

Tatsächlich ist von den acht Hütten am Stubaier Höhenweg nur eine, die Starkenburger Hütte, über eine Straße zu erreichen. Hier kann der Hüttenwirt selbst ins Tal fahren und Lebensmittel und andere Dinge für den täglichen Bedarf auf den Berg bringen. Ganz gut hat es auch die Dresdner Hütte, die die Gondeln der Stubaier Gletscherbahn nutzen darf. Täglich um 7:30 Uhr – noch bevor der Gästebetrieb einsetzt – können die Lebensmittel hinauf in die Gletscherwelt transportiert werden. Tägliche und rasche Lieferung bedeuten vor allem die Sicherung der Kühlkette, Vielfalt an Lebensmitteln und niedrigere Preise.

Unsere Materialseilbahn

Unsere Hütte sowie die restlichen anderen Hütten am Stubaier Höhenweg sind weit weg von Straßen, Seilbahnen und sonstigen Infrastrukturen. Diese Hütten werden mit einer mehr oder weniger modernen Materialseilbahn versorgt. Unsere kleine Seilbahn mit der einfachen Holzkiste ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und dem alten Mercedes Motor wird bei jeder Lieferung so ziemlich alles abverlangt. Außerdem steht die Bergstation rund 200 m von der Hütte entfernt. Schnee im Juni ist bei uns keine Seltenheit und da kann es durchaus vorkommen, dass wir alle Waren von der Bahnstation zur Hütte tragen müssen – Eier, Milch, Butter, Brot, Fleisch…. all jene Produkte, die frisch aus den Tal kommen und so rasch als möglich richtig gelagert werden müssen.

Es geht noch extremer

Wir sind aber jedenfalls froh um unsere Materialseilbahn, weil wir dadurch selber je nach Bedarf die Lieferungen auch kurzfristig organisieren können. Viel schwieriger haben es hier die wirklich abgelegenen, sehr hohen Hütten, wie zum Beispiel das Becherhaus auf 3.200 m Seehöhe oder die benachbarte Müllerhütte. Beide liegen am Übeltalferner, dem größten zusammenhängenden Gletscher der Ostalpen. Nicht weniger spektakulär ist aber auch die Hochstubaihütte, die an der Grenze zwischen dem Ötztal und dem Stubaital auf der Wildkarspitze liegt. Diese Hütten sind in ihrer Lage so exponiert, dass nicht einmal der Bau einer Materialseilbahn möglich ist.

Somit bleibt hier nur die aufwendigste und teuerste Art der Belieferung: der Hubschrauber. Das Wetter, die dünne Luft und nur eine bestimmte behördlich genehmigte Anzahl an Hubschrauberflügen setzen eine unglaublich präzise Logistik voraus. Auf dem Becherhaus zum Beispiel kommt der Hubschrauber nur alle vier Wochen, um die Hütte mit Waren zu beliefern. Dazu muss das Wetter mitspielen und extra der Balkon auf der Terrasse abgebaut werden. Das Absetzen der Ladung erfordert vom Piloten viel Erfahrung und eine sehr ruhige Hand. Ein Spektakel, dem viele Besucher mit Hochachtung zuschauen. Wer selbst einmal Gast war in einer dieser Hütten in Extremlage, der weiß, dass es keine Speisekarte gibt, sondern täglich ein fixes, planbares aber durchaus schmackhaftes Menü. Und wer die Hintergründe kennt, der kann auch die etwas höheren Preise für’s wohlverdiente Bier nachvollziehen.

An dieser Stelle gehört den engagierten Hüttenwirten ein großes Kompliment ausgesprochen. Trotz der Schwierigkeit der Bewirtschaftung einer so abgelegenen Hütte, ermöglichen sie ihren Gästen einen sehr komfortablen Aufenthalt.